In den beruflichen Schulen lässt der Bildungsplan wenig Raum für politische Bildung – da ist es umso schöner, wenn sich aus den wenigen Unterrichtsstunden heraus Situationen ergeben, die den Blick über den Tellerrand ermöglichen. Ausgehend von der Behandlung der Menschenrechte im Unterricht äußerten einige Schüler*innen den Wunsch, eine der Organisationen, die in unserer Nähe tätig sind und die kurz vorgestellt wurden, genauer kennenzulernen: FIAN – das FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk. Der Fachlehrer Hr. Rose stellte den Kontakt zur Organisation her und so besuchten uns letztlich mit Fr. Wiese und Fr. Straubel zwei freundliche Ehrenamtliche der Lokalgruppe Tübingens.

Ein Schwerpunkt FIANs liegt auf dem Kampf gegen Hunger in den Entwicklungsländern und so veranschaulichten sie zu Beginn erst einmal die dramatischen Unterschiede in den Besitzverhältnissen zwischen Groß- und Kleinbauern. Im Anschluss erfuhren die Schüler*innen genaueres über die Organisation, also wie bspw. deren Finanzierung zu Stande kommt oder worin die Themenschwerpunkte bestehen (u.a. die Geschlechtergerechtigkeit oder auch die Ernährungsarmut in der Bundesrepublik).

Mit dem Thema des sog. Landgrabbing wählten die beiden Referentinnen ein hochaktuelles und in den letzten Jahren zunehmendes Problem aus, das sie der Gruppe genauer vorstellten und nach einer Annäherung an den Begriff und einer ersten Auseinandersetzung mit den zu Grunde liegenden Motiven und den daraus resultierenden Folgen mit konkreten Fallbeispielen genauer aufzeigten. Dabei ging es auch um einen bald zwei Jahrzehnte andauernden Fall des Landgrabbings, in dem FIAN die Betroffenen unterstützt und in das ein deutsches Unternehmen verwickelt ist – und auch bei den Schüler*innen einen entsprechenden Eindruck über die Problematik hinterließ.

In unserer Welt ist der Einsatz für die Menschenrechte offenkundig immer noch notwendig – aber um uns nicht völlig niedergeschlagen zurückzulassen, thematisierten sie mit den Schülerinnen noch die vielfältigen Möglichkeiten, wie man seinen kleinen persönlichen Beitrag für eine gerechtete Welt leisten kann und wie sie selbst dies versuchen. So lernte man selbst im Abschlussgespräch noch etwas Neues (dass es so etwas wie „solidarische Landwirtschaft“ gibt) und nahm für sich mit, etwas stärker auf den eigenen Konsum zu achten und bspw. seinen eigenen Fleischverzehr (etwas) zu überdenken.

* Grafik vom Deutschen Institut für Wirtschaft unter: https://www.iwd.de/datei/land-grabbing-hauptmotiv-landwirtschaft-210104/ [29.03.2019]