Zum 09. November jährte sich zum 30. Mal das (symbolische) Ende des „sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadieses“ (Selbstbeschreibung des DDR-Unrechtregimes) und wir hatten das Glück mit Herrn Pfützenreuter einen ehemaligen politischen Häftling der DDR bei uns Willkommen heißen zu können.

Dieser berichtete von seinem Werdegegang in der DDR, seiner auch durch seine christliche Erziehung bedingten kritischen Einstellung gegenüber dem politischen System und seiner Inhaftierung und Verurteilung auf Grund des Vorwurfes des „versuchten illegalen Grenzübertritts im schweren Fall“. Seine gesamte Familie hat Erfahrungen mit dem Spitzel-, Geheimdienst- und Unrechtssystem der DDR machen müssen und dementsprechend konnte er unseren Schüler*innen anschaulich und eindrucksvoll Einblicke in eine für sie weit entfernte Zeit bieten.

Besonders hervorgestochen sind dabei für einige Schüler*innen nicht nur die Dicke der Stasi-Akte, die persönlichen Erfahrungen von Herrn Pfützenreuter in der Haft und die Details über bspw. die Kommunikationswege der eigentlich in Einzelhaft gehaltenen Insassen (Stichwort: Toilettenrohre), sondern das Schicksal des Fluchthelfers des Bruders unseres Zeitzeugens, der in Haft Selbstmord beging.

Die Initiative für diesen Besuch ging von unserer Partnerschaft mit der Uni Tübingen aus und wurde von unserem Geschichtslehrer Herrn Rose gerne auch im Zusammenhang mit seinem Unterricht aufgegriffen und vorbereitet. Im Rahmen der Veranstaltung und einer Studie zum Wirken von Zeitzeugen befragte eine Doktorandin unsere Schüler*innen im Anschluss noch nach ihren Wahrnehmungen zu dem Besuch.

(Fotografie: Heiko Raiser)